Ein Südbalkon liefert nicht automatisch die beste wirtschaftliche Lösung. Ost und West erzeugen weniger zur Mittagszeit, können aber besser zu Frühstück, Homeoffice oder frühem Abend passen. Kritischer als die Himmelsrichtung ist oft harter Schatten auf einzelnen Modulen.
Kurzantwort
- Ost liefert früher, West später; Süd konzentriert den Ertrag stärker um die Tagesmitte.
- Senkrechte Montage ist einfach, bringt aber ein anderes Jahres- und Winterprofil als geneigte Module.
- Lokale Schatten durch Brüstung, Nachbarbalkon, Baum oder Gebäude können PVGIS nur begrenzt abbilden.
- Bewerte nicht nur Jahres-kWh, sondern wie viel davon gleichzeitig im Haushalt genutzt wird.
In diesem Ratgeber
Ost, West oder Süd im Alltag
| Ausrichtung | Typisches Erzeugungsfenster | Passt häufig zu |
|---|---|---|
| Ost | Morgen bis früher Mittag | Frühstück, Homeoffice, morgendliche Geräte |
| Süd | Breite Spitze um Mittag | Hohe Tagesgrundlast, planbare Mittagsnutzung |
| West | Mittag bis Abend | Spätes Homeoffice, Kochen und Nutzung am Nachmittag |
Die Tabelle beschreibt ein Profil, keine feste Ertragszahl. Gebäudewinkel, Horizont, Jahreszeit und Wetter verschieben die Kurven. Ein Ost-West-Setup mit zwei getrennt ausgerichteten Modulen kann den Ertrag über mehr Stunden verteilen. Dadurch steigt möglicherweise der Eigenverbrauch, obwohl die höchste Leistung niedriger ist.
Senkrecht oder geneigt montieren
Senkrechte Module an der Brüstung benötigen wenig Balkontiefe und können im Winter von einem niedrigeren Sonnenstand profitieren. Im Sommer trifft die hoch stehende Sonne sie weniger direkt. Eine geneigte Aufständerung kann den Jahresertrag erhöhen, vergrößert aber Windangriffsfläche, Platzbedarf und Anforderungen an die Halterung.
Wähle die Neigung nie nur nach einer Ertragsgrafik. Statik, Windlast, Absturzsicherung, Brandschutz, Miet- oder Eigentumsregeln und die Herstellervorgaben gehen vor. Provisorische Gewichte oder Kabelbinder sind keine belastbare Dauerlösung.
Teilverschattung richtig prüfen
Beobachte den geplanten Standort an einem sonnigen Tag zu mehreren Uhrzeiten. Fotografiere die Fläche morgens, mittags und nachmittags. Ein schmaler Brüstungsschatten kann je nach Zellverschaltung mehr Wirkung haben als seine Fläche vermuten lässt. Bei zwei Modulen mit getrennten MPP-Eingängen wirkt sich Schatten häufig gezielter aus als bei einer ungünstigen gemeinsamen Verschaltung.
- Nahe Hindernisse: Geländer, Blumenkästen, Antennen, Dachkante
- Mittlere Entfernung: Nachbarbalkon, Baum, angrenzender Gebäudeflügel
- Jahreszeit: Ein laubfreier Baum im Winter und voller Bewuchs im Sommer ergeben verschiedene Profile.
- Eigenverschattung: Ein Modul darf das andere bei getrennter Neigung nicht abschatten.
PVGIS sinnvoll verwenden
Im PVGIS der EU-Kommission gibst du Standort, installierte Leistung, Neigung und Ausrichtung ein. In der dort verwendeten Konvention steht 0 Grad für Süden, positive Werte für Westen und negative für Osten. Erstelle mindestens drei Varianten statt nur einer Idealrechnung.
- Real vorhandene Modulleistung eintragen.
- Senkrechte Montage mit 90 Grad Neigung rechnen.
- Ost beziehungsweise West als tatsächlichen Azimut erfassen.
- Ergebnis wegen lokaler Schatten vorsichtig nach unten korrigieren.
- Monatswerte mit dem eigenen Verbrauchsprofil vergleichen.
Standortcheck vor dem Kauf
- Freier Blick in die relevante Himmelsrichtung
- Schatten zu drei Tageszeiten dokumentiert
- Sichere, zugelassene Halterung für Brüstung und Windzone
- Kabelweg ohne Quetschung oder Stolperstelle
- Tagesgrundlast gemessen und Eigenverbrauch grob berechnet
Übertrage den vorsichtigen Ertrag anschließend in unsere Balkonkraftwerk-Modellrechnung. So wird aus einem technischen Standortcheck eine wirtschaftliche Entscheidung.
Quellen und Aktualität
Regeln, Preise und Verfahren können sich ändern. Wir prüfen diesen Beitrag bei relevanten Änderungen und spätestens im Rahmen der turnusmäßigen Aktualisierung.
- EU-Kommission: PVGIS (abgerufen am 16. August 2026)
- EU-Kommission: PVGIS API und Ausrichtungskonvention (abgerufen am 16. August 2026)
